Presseecho

Kreiszeitung, 31.10.2005

Die Freude am Singen wirkte ansteckend

Sing with us!" Dieses Konzertmotto des Großchores "Voices ltd." war ans Publikum gerichtet, und die Rechnung ging auf. Bei zwei Konzertabenden am Samstag und Sonntag in der Herrenberger Stadthalle ließ sich ein begeisterungsfähiges Publikum mitreißen und sparte nicht mit Applaus. Unter Leitung von Astrid Beuth präsentierten die Sänger und Musiker ein abwechslungsreiches, erfrischendes Programm. Wo ist der Chor? Am Anfang war die Band mit Ruben Maisenbacher am Piano, Jens Mönig am Bass und Daniel Stollsteimer am Schlagzeug. "Musik ab", hieß es dann und man hörte den Chor, bevor man ihn sah. Wie bunte Tupfen zogen die 80 Sänger in farbenfrohen T-Shirts aus dem Rückraum der Stadthalle durchs Publikum zur Bühne, um sich dort als bewegtes Farbenmeer zu formieren. Mit einem beschwingten "Sing with us" startete das sechste Pop- und Gospelkonzert. "It's a Joy to sing" - das bringen Musiker glaubhaft rüber und wirkten auch mit der folgenden Glanznummer für Alt-Solo und Chor im Wechsel fesselnd. Für das ruhigere Gospel "God is here" - präsentiert von Ulrike Ritzmann und Chor in Korrespondenz - gab's Riesenbeifall.

Mit einer Fülle von unterhaltsamen Ideen ging's rasant weiter durchs Programm. "Wade in the Water" - so rhythmisch wie in diesem Lied sind die besungenen Israeliten sicher nicht durchs Rote Meer geswingt, aber vermutlich in ähnlich guter Stimmung. Extrabeifall folgte für die drei jungen Gesangssolisten. Mal schwungvoll, packend, dann wieder melancholisch, träumerisch. "When you believe" aus dem Musical "Der Prinz von Ägypten" hat von allem etwas, eine besondere Bedeutung kommt hier der Band zu. Überhaupt lässt sich das Konzept der Chorleiterin Astrid Beuth gut an, Gospel- und Pop-Chorliteratur mit Live-Musik und zahlreichen Soli oft sehr junger Sänger zu kombinieren.

Und wenn mal was nicht klappt oder, wie im Verlauf des Abends geschehen, der E-Bass ausfällt oder Pianistin Maria Wunder irritiert in Richtung Technik blickt, weil ihr Instrument keinen Mucks macht, ist das alles kein Drama. Astrid Beuth nimmt's gelassen. Entweder wird die Macke repariert, oder es muss eben so gehen. Geht auch. Mit einem flippig-jazzigen und temperamentvollen "Step back" beschlossen die Voices ihren ersten Auftritt, um die Bühne für die "No Voices" zu räumen. Zwölf Percussionisten, die originell, schlagkräftig und fast ohne Stimme mit Klatschen, Steppen, Schnipsen faszinierten - zuletzt im Fußballdress. Der "Freibier-Rap", der Wink mit dem Zaunpfahl hinein in die Pause. "Freibier!" - "Uuuhhh!". Diese Antwort hatte das Publikum schnell drauf.

Mit "No Business like Show-Business" gelang ein fulminanter Start in den zweiten Set. Irving Berlins "America"-Soundtrack kam an, ebenso der inbrünstige lokalpatriotische Touch am Schluss. "God bless my Herrenberg!" "Irving Berlin möge uns diese kleine Eigenmächtigkeit verzeihen", hieß es im Programm. Tat er sicherlich, vermutlich mit einem Schmunzeln.

Drei Schmankerl kurz vor Schluss brachten die Ten-Voices zu Gehör, danach folgte nochmals ein starker Auftritt des Großchores und der Band. Nach dem offiziellen Programm war allerdings der Konzertabend noch lange nicht zu Ende, denn ein gut gelaunt mitsingendes Publikum - der Text zu "Amazing Grace" war eigens zu diesem Zweck im Programmheft abgedruckt - forderte mehrere Zugaben und zeigte sich überaus angetan von diesem originellen Konzert.

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