Kreiszeitung, 26.10.2004
Im Schlosskeller hängen Herzen aus Pappe, Rosen und Efeu umranken die Bühne, rote Kerzen glimmen im Halbdunkel, passend zum Motto. Denn beim Jahreskonzert des gemischten Chors Deufringen "conTakt" wurde fürs Jahreskonzert die Parole "Love, love, love" ausgegeben. Gleich zu Beginn legen 37 Damen und Herren von "conTakt" los: Mit "Cohors generosa", einem alten ungarischen Studentengruß in lateinischer Sprache, begrüßen Chor und Dirigent Achim Jäckel das Publikum. Die Sänger sind schwarz gekleidet, aber immer in Kombination mit einem roten Kleidungsstück. Rot. Die Farbe der Liebe. Um die dreht sich alles an diesem Abend.
Klassisch-lateinisch geht's weiter: "Odi et amo", ich hasse und ich liebe, wird choral-artig, mal stürmisch laut, mal weich und leise, den Kehlen entlockt. Dass auch die richtigen Töne zur richtigen Zeit herauskommen, dafür sorgt Dirigent Achim Jäckel. Mit wilden, hektischen Handbewegungen kitzelt er auch das letzte Tönchen aus den 37 lebenden Klangkörpern.
Gekonnt leitet Jäckel durchs Programm und verbindet die Stücke in ihrer Aussage: Liebe, Lust und Leidenschaft. "Wenn man verliebt ist und sein Glück kaum fassen kann, fängt man zu pfeifen oder sogar zu singen an", schwelgt Jäckel. Einfache Silben wie "dum di dum" oder "du bi da". Und genau solch ein Silbenlied ließ Jäckel seinen Chor darbieten. Aus den vermeintlich simplen und monotonen Silben "Dan da bad an" wird ein dynamisch-rhythmisches Lied. Vierstimmig, Männer und Frauen abwechselnd, mal mächtig schmetternd, mal vage wispernd zeigt der Chor, was aus diesen vier Silben herauszuholen ist. Die stilvolle Begleitung am Piano lieferte Hubert Mayer.
Neben Karibik-Rhythmik und 60er-Schlager ("Rote Lippen") gesteht man sich auch die Liebe zu Städten ("New York, New York") oder Tieren ein. Melodisch schwungvoll schnurren die Chor-Damen "Katzen brauchen furchtbar viel Musik", zur "Katzenmusik" räkeln und putzen sich zwei kleine Kinder im Katzenkostüm.
Besonders lautstark zeigten sich die "No Voices", eine Untergruppe der Herrenberger "Voices". Wie der Name schon sagt, befasst sich die Gruppe mit Percussion - Rhythmus und Klängen ohne die Stimme. Die 13 Mitglieder mit eigenem Vereins-Shirt vollführen unter der Leitung von Astrid Beuth einen "Hip Hop Deluxe". Rhythmisch stampfen sie auf den Boden, klatschen in die Hände, auf Brust oder Oberschenkel, trommeln auf Tupperware und geben eisenbahnartige Zisch-Geräusche von sich.
Es folgt "Eine kleine Tischmusik". Ein jeder mit zwei Kochlöffeln ausgerüstet, komponiert man klangvollen Krach im Kollektiv. Das einzige Wort, das den Mündern der Trommler entfährt, ist ein kräftig-zünftiges "Mahlzeit!", bevor Topf und Tisch mit den Kochlöffeln bearbeitet werden.
Neugierde und Spaß an der Sache haben Astrid Beuth verleitet, eine Percussion-Gruppe zu eröffnen. In der Regel arbeite man nur mit Körperrhythmik, Hilfsmittel wie Töpfe und Löffel seien eher die Ausnahme, merkt Beuth an. "Es ist unglaublich schwierig, dieses Tempo zu halten. Keiner bei uns spielt Schlagzeug, einige können gar keine Noten lesen", gesteht sie ein. Doch von diesem Defizit merken die Zuschauer nichts. Im Gegenteil. Der tosende Applaus des Publikums zeigt Beuth, dass sie und ihre zwölf Rhythmiker ihren Gastauftritt mehr als gut über die Bühne gebracht haben.
"Musikalischer Austausch", nennt Achim Jäckel dies. Immer wieder lädt der Deufringer Chor andere Musikgruppen aus der Umgebung zu einem gemeinsamen Auftritt ein. Im Gegenzug dazu hat die Deufringer Truppe auch Kontakt mit anderen Gemeinden. "Wir wollen das Durchschnittsalter senken und die Mitgliederzahl erhöhen", spricht Vorsitzender Herbert Marxen ein Problem an. Die Jugend zeigte sich bisher wenig interessiert an der Chorarbeit. Angestoßen von Achim Jäckel versuchte der Chor vor zwei Jahren, sich mehr an der Jugend zu orientieren: Mehr Songs mit Pep, mehr englische Lieder und natürlich der griffig-signifikante Name "conTakt" sollten jüngere Sänger und Sängerinnen anlocken. Die Tradition soll deshalb aber nicht verloren gehen, immerhin besteht der Chor nun schon seit 120 Jahren. Und Marxen kündigt an: "In diesem Jahr feiern wir nicht großartig, aber zum 125. Jubiläum, da lassen wir es krachen!"