Kreiszeitung, 09.11.2004
Großchor "Voices ltd." lockte mehr als 1200 Gäste in die Herrenberger Stadthalle
Ein Workshop des Chores im September brachte den richtigen "Groove", den die "Voices ltd." am vergangenen Wochenende vor begeistertem Publikum in die Tat umsetzten. Mehr als 700 Gäste am Samstagabend und über 550 Besucher am Sonntagabend verfolgten das abwechslungsreiche Konzert des Großchores und seiner Ableger, den "Ten Voices" und den "No Voices".
Keineswegs einfach nur Gospelgesang. Die Sänger unter der Leitung von Astrid Beuth präsentierten ein wechselvolles, facettenreiches Repertoire, das von schlagkräftigem Rock bis hin zu lyrisch-keltischen Feinheiten reichte. Und was für's Auge: Schwung und Bewegung auf der Bühne bis hin zu kleinen Showeinlagen, zahlreichen Soli - vokal und instrumental.Nanu! Zu Konzertbeginn ist die Bühne leer: die 120 Sänger und Sängerinnen stehen ruhig entlang der Sitzreihen, über die gesamte Stadthalle verteilt. Die Musik setzt ein, per Handschlag begrüßen die Akteure ihr Publikum. "Take my Hand" - das Motto des Abends setzten die Chormitglieder gleich in die Tat um und versammelten sich anschließend auf der Bühne. Nach dem "groovenden" Titelsong ging's zunächst weiter mit etwas Slow-Motion: "Salvation", in einer Bearbeitung von Stefanie Wunder, die nicht nur bei den Voices mitsingt und - wenn's nicht richtig passt - arrangiert, sondern auch den "Schwesterchor" im Liederkranz, den Konzertchor leitet.
Es folgten noch die Gospels "Emmanuel" und "No Weapon", ersteres besonders ausdrucksstark und rhythmisch - übernommen vom Chor "Entre Ciel et Terre" der Partnerstadt Tarare. Im letzteren zwar ohne Waffe, aber dafür mit starkem Solo: Ulrike Ritzmann mit dunklem, vollem Alt - originaler kann Gospel nicht wirken. Einen Ausflug in die Welt der Kelten unternahmen im ersten Set die Ten Voices. "She moved through the Fair", ein Liebeslied aus "Lord of the Dance" brilliert durch poetisch-melodische Klänge, für das Solo zu Beginn des Songs erntete Tenor Martin Wilke dicken Applaus. Das bekannte "Greensleeves" - hier im Satz der King-Singers - rundete den Vortrag mit keltischem Einschlag ab.Vor der Pause noch ein Debüt, einstudiert von Vize-Chorleiterin Barbara Will: "For the longest Time" - mit Swing unterlegt, ein Song mit vielen schwierigen Einsätzen für die Begleitstimmen, die zugleich für Melodie und auch Rhythmus sorgten. Der König der Löwen folgte, als Medley der bekannten Highlights. Auf der Bühne zog dazu ein Löwe - zweibeinig und im Grundschulalter - seine einsamen Kreise, amüsant und auflockernd. Dazu kamen Querflöte und Klarinette zum Einsatz, letztgenannte gespielt von Maria Wunder, die das Stück "Hakuna-Matata" mit ihrem Instrument tänzelnd, mit schwierigen, schnellen Passagen in hohen Tonlagen, melodiös untermalte.
Die "No Voices" zeigten Körperrhythmik - hier wurde geklatscht, geschnippt, geklopft, gestampft: ein "Hip Hop Deluxe" und der "Round Table Swing" vom Chor ohne Worte und ohne Stimme, vom Publikum gebannt verfolgt. Vier Jazz-Klassiker, die die Ten Voices gern singen, rissen auch die Besucher mit: Von "Take the A-Train" bis hin zum "Chattanooga Cho Cho" als Zugabe, kam diese rasante Runde besonders gut an. Letzter Block des lebendig gemischten Konzerts: nochmals Gospels - zum Mutmachen, wie "Lift your Head up high" und zum Rocken: "Good to the very last Drop" - ein Stück von Calvin Bridges, kraftvoll, rockig, mitreißend, das die Bewegung vom Chor ins Publikum übergreifen ließ.
Großen Anteil am Gelingen des Konzerts trug die Band, auf die Chorleiterin Astrid Beuth aus gutem Grund nicht verzichtet: Am E-Bass Jens Mönig, Schlagzeuger Daniel Stollsteimer, am Flügel Martin Wilke und Ruben Maisenbacher im Wechsel. Alle miteinander sind Hobbysänger und -musiker, wie sie betonen. Ziel sei es zu zeigen, was mit Spaß und Engagement auch im Laienbereich möglich ist. Nicht absolute Perfektion will der Chor erreichen, sondern gute Qualität, mit Genuss an der Sache. Und da stört ein voreiliger Klatscher an falscher Stelle überhaupt nicht. Nicht böse Blicke verfolgen den Urheber, stattdessen huscht ein leichtes Schmunzeln über die Sängergesichter - und die Mienen im Publikum. Und weiter geht's.