Presseecho

Gäubote, 31.10.2005

Alle Sinne werden berührt

von GABRIELE PFAUS-SCHILLER

Ein malerischer Anblick: In der Kleidung so vielfarbig wie der Herbst draußen präsentierten sich rund 85 Sänger der Voices ltd. am Samstag zum Jahreskonzert in der Herrenberger Stadthalle. Mit der dritten Zugabe kehrten sie zu einem der Highlights zurück: "Step back" lässt den Chor ordentlich in Bewegung geraten, der ganze Körper folgt dem Schritt zurück und signalisiert: halte die Hände heraus, lass Gott machen.

Der Gospelsong zeigt, dass es sich um eine Gesangsform handelt, die den ganzen Menschen ergreift und mit sich nimmt, der Körper stimmt ein in den freudig vorgetragenen Glauben, dass Gott für jeden da ist und dass daraus Trost und Hoffnung zu gewinnen sind. Gospel heißt übersetzt Evangelium, und es entstand aus der Nähe des Schicksals der schwarzen Sklaven in Amerika zu dem der Israeliten. Sehr eindrucksvoll kommt das auch in einem weiteren Titel zum Ausdruck, der vom Zug der Israeliten durch das Wasser des Roten Meeres handelt: Der Gesang ließ vor dem geistigen Auge des Zuhörers die Fluten sich aufbäumen und zurückweichen. Da war zu spüren, wie Gottes Macht den Zug hindurchziehen und die Fluten über die Ägypter hereinbrechen lässt.

Gelungen auch der Wechsel der Solostimmen, der ja, häufig in Form von Frage und Antwort, ein wichtiges Merkmal des Gospels ist, indem immer wieder ein Sänger aus den Reihen hervortritt. Dass Chorleiterin Astrid Beuth hervorragende Arbeit leistet, zeigt sich auch darin, dass ein reicher Fundus solcher Solostimmen vorhanden ist, der den einzelnen Liedern immer wieder neue und unverwechselbare und charakteristische Akzente verlieh.

Schwerpunkt des Chors ist Gospel, etwa die Hälfte des Programms war dieser lebhaften Form des Gottesdienstes amerikanischen Ursprungs gewidmet. Zum Repertoire des Chor gehört auch Folklore, Pop und Musical, was etwa die Hälfte des Konzertprogramms ausmachte. Die Chorabteilung Ten Voices bewies mit einem englischen Fischerlied, wie hervorragend eingespielt die Mitglieder sind und ließ sich vom begeisterten Applaus gleich zu einer Zugabe hinreißen: "Route 66" entführte das Publikum auf die Straßen von Chicago nach Los Angeles.

Die Chorgruppe No Voices kommt, der Name verrät es, weit gehend ohne Gesang aus, hier werden Hände und Füße rhythmisch tätig, es wird geklopft, geschlagen und gestampft, als Resonanzkörper dienen Plastikschüsseln, Schenkel, Brustkorb und der Fußboden. Nicht ohne Witz und Raffinesse war diese Darbietung, besonders der Freibier-Rap, der mit Bierflaschen und allerlei weiteren Tonkünsten untermalt wurde und den nötigen Durst für die Pause machte.

Der Konzertabend sprach alle Sinne an, auch mit dem Gesang verbundene Gefühle teilten sich mit, etwa bei dem Lied "God is here", bei dem sich die Bewegtheit der Sänger sanft wiegend in den Saal ausbreitete. Bei diesem sechsten Jahreskonzert des Chors wurde deutlich: Astrid Beuth weiß als temperamentvolle Chorleiterin den insgesamt 120-köpfigen Chor zu führen wie auch die Freude am Singen in den Sängern zu wecken und zu fördern. Nicht immer mag das einfach sein: Die Männer sind in der Minderheit, doch die Leiterin gleicht das geschickt mit der Verteilung der Frauenstimmen aus. Die Instrumentalisten, Jens Mönig am E-Bass, Daniel Stollsteimer am Schlagzeug, Ruben Maisenbacher, Martin Wilke und Maria Wunder am Piano erwiesen sich als eingespielte Stütze der Darbietungen. Doch einige studieren teilweise schon anderswo und sind nicht mehr ständig dabei, was die Proben nicht einfacher macht. Das Motto des Abends hieß: "Sing with us", und es ist wohl die bei allen offensichtliche Freude am Singen, die dem Zusammenspiel der Sänger das Kraftvolle und Harmonische verleiht.

Mit Leichtigkeit übertrug sich die Sangesfreude aufs Publikum, gern sang es mit, als zum Schluss der Dauerbrenner unter den beliebten Volksliedern angestimmt wurde: "Amazing Grace" brachte Sänger und Publikum einander noch einmal näher, so dass der Applaus begeistert ausfiel, nicht ohne mehrmals Zugaben zu fordern. Ein Wunsch blieb bei manchen Zuhörern offen: Einige Erklärungen zu den einzelnen Liedern könnten dem Hörgenuss noch förderlich sein.

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