Gäubote, 22.10.2007
Repertoire aus der Welt des Swing und des Films "Jazz meets Gospel":Zu seinem jüngsten Konzert hat sich der Herrenberger Pop- und Gospelchor "Voices ltd." Mit einer Big Band zusammengetan, der JMS Big Band aus dem Hochschwarzwald eine überaus sinnvolle Ergänzung, denn der Swing der Schwarzwälder gab dem Chorgesang der Herrenberger zusätzliche Würze am Samstagabend in der Herrenberger Stadthalle. Das Konzert stand folgerichtig unter dem Motto "Jazz meets Gospel".
VON THOMAS MORAWITZKYZustande kam das musikalische Bündnis aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen der Chorleiterin Astrid Beuth, die einmal mehr die zahlreichen Sänger des Chores überaus engagiert durch den Abend leitete. Der Auftakt jedoch gehörte der JMS Big Band unter Leitung von Götz Ertle, die sich auf der linken Seite der Bühne platziert hatte vornehme Musiker, in Schwarz und Weiß gekleidet, eine Reihe von Trompetern über den Köpfen ihrer Kollegen, auf der Galerie. Die Band eröffnete mit einem ausgedehnten instrumentalen Set, Stücke von Duke Ellington und Sam Nastico zunächst, ein Medley mit Kompositionen von Count Basie und Neal Hefty zuletzt. Duke Ellingtons "Harlem Story" führte die Band bereits im Sommer anlässlich eines Open-Air-Festivals auf, mit dem sie das 20. Jubiläum ihrer Gründung feierte. Der Swing der Eröffnungsstücke gab denn auch für den größeren Teil des Repertoires, den die "Voices ltd." in vollständiger Formation oder als "Ten Voices" gemeinsam mit der Band oder ohne Begleitung vortragen sollten, das Tempo an. Noch vor der Pause eine Reihe von Filmmelodien und Jazz-Standards: "Lullaby of Broadway" und "Chattanooga Choo Choo" mit den "Ten Voices", "Stompin the Savoy", "As time goes by" und "Get me to the Church on time", gesungen vom kompletten Chor, jeweils begleitet von der Band. Der Song aus dem berühmten Bogart-Film begann dabei getragen, nur mit Chorgesang, bevor dann, im Refrain, endgültig die Band einstieg.
In Nonnenkostüm und Mönchskutte
Den zweiten Teil des Abends in der fast bis auf den letzten Platz besetzten Stadthalle widmeten die "Voices" zwei Filmen: Für ihren Ausflug in die Welt von "Sister Act I und II" schneiderten sich die Sängerinnen Nonnen-Kostüme; die Sänger traten in Mönchskutten auf "Hail Holy Queen", "Ball of Confusion", "His eyes on the Sparrow" hießen die Stücke des Musical-Films, die sie in dieser Verkleidung sangen, und, natürlich: "I will follow him". Gelegenheit, für Sängerinnen aus den Reihen des Chors, sich solistisch hervorzutun. Der Song "My God" heißt natürlich in Wirklichkeit "My Guy", und wurde von Smokey Robinson 1964 Mary Wells auf den Leib geschrieben einer der erfolgreichsten Motown-Songs überhaupt, später gecovert zum Beispiel von Petula Clark oder Aretha Franklin. Da musste schon "Sister Act" daherkommen, um diese mannstolle Soul-Nummer zu einer eher frommen Romanze umzudeuten. Fromm auch der Abschluss des Abends, bei dem die "Voices ltd." nun wieder von der JMS Big Band oder ihrer kleineren Combo begleitet wurden: Ein Gospel-Medley aus "Harlem Story" knüpfte an den Beginn des Konzertes an, mit "Swing low", "Nobody knows" und "Precious Lord", jeweils gesungen von Solisten des Chors. GospelVersionen des Halleluja und Beethovens berühmte Vertonung der Schillerschen Ode an die Freude setzten Schlusspunkte. Als Zugabe dann, wie man das vom Pop- und Gospel-Chor "Voices ltd." gewohnt ist: "Oh Happy Day" dieses Mal in einer ungewohnten, wiederum dem Film "Sister Act" angelehnten Version.