Gäubote, 06.07.2005
Ein Gospel- und Pop-Benefizkonzert gab der Herrenberger Chor "Voices ltd." am Sonntagabend in der Michaelskirche in Entringen. Der Erlös kommt dem Ammerbucher Verein "Kinder aus Weißrussland" zugute, der sich darum kümmert, dass Kindern aus der verseuchten Tschernobyl-Region einige Wochen bei Gastfamilien verbringen können.
23 Kinder aus dem weißrussischen Bezirk Slawgorod, die derzeit im wahrsten Sinne des Wortes zu Gast bei Freunden sind, lauschten den mal langsamen, mal rhythmisch-schnellen Takten der 90 Sänger, die unter der Leitung von Astrid Beuth "Lift your head up high", "Take my hand" oder "God is here" sangen.
Das typische Gospel-Prinzip eines begnadeten Solo-Vorsängers und der anschließenden "Antwort" des Chors läuft bei den "Voices ltd." etwas anders als gewöhnlich ab: "Bei uns darf jeder, der Lust hat, ein Solo zu singen, es einmal ausprobieren. Und es sind ziemlich viele, die Lust haben", sagt Astrid Beuth. Die Chorleiterin hält überhaupt nichts davon "sich ein paar Stars heranzuzüchten", wie sie das gezielte Auswählen weniger Stimmtalente nennt. Dazu sind die Erfolgserlebnisse bei den Solisten viel zu groß: "Es ist ganz toll fürs Selbstbewusstsein, wenn man sich getraut hat und es klappt."Sowieso ist das Singen für die Chorleiterin ein ganz besonderes Hobby: "Eigentlich ist Singen fast wie ein Sport. Es fördert die Durchblutung des ganzen Körpers, stärkt den Kreislauf und setzt jede Menge Endorphine frei."
Und die, so hofft die Chorleiterin, strömen nicht nur bei den Sängern, sondern auch bei den Zuhörern. Begeistertes Mitklatschen und Standing Ovations der etwa 200 Zuhörer zum Abschluss sprechen eine eindeutige Sprache: Der Funken ist übergesprungen. Besonders bei einzelnen Stücken wie dem gesungenen Vaterunser erzeugt der Chor eine sehr dichte, intensive Stimmung. Auch das sehr ruhig, aber trotzdem äußerst kraftvoll gesungene "What a wonderful world", das von der kleineren Untergruppe des Chors, den "Ten Voices", intoniert wurde, überzeugt auf der ganzen Linie.Bei "Step back" ist es vor allem die ungeheure Bewegung innerhalb des Chors, der das Publikum mitreißt. Sehr schwungvoll sieht es aus, wenn die 90 Sänger im Takt nach einer grazilen Halbdrehung gesammelt die Hände in die Luft werfen.
Nach der Pause sorgt "Everybodys talking", ein Lied, in dem es darum geht, welche Garderobe auf dem Weg in den Himmel getragen wird, für ein erstes Highlight. Spontanen Beifall gibt es für die sauber gesungenen Töne, die auch in den hohen Tonlagen nie umzukippen drohen. Gegen Ende ist es "Wade in the water", ein Song, der die alttestamentarische Geschichte des Zugs der Israeliten durch das Rote Meer in Musik fasst, der das Publikum erneut in den Bann der Sänger zieht.Wieder sind es die präzisen hohen Töne und das immense stimmliche Volumen des Chors, die für Begeisterung sorgen. Mit der zweiten Zugabe "Oh happy day" schloss der Chor das gelungene Konzert mit einem absoluten Gospel-Klassiker ab.