Gäubote, 19.1.2002
VON THOMAS MORAWITZKY
Die Thematik, die den Pop- und Gospelchor "Voices ltd." in den vergangenen Wochen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt hatte, kam bei der Versammlung lediglich beiläufig zur Sprache. Bürgermeister Helmut Maier zeigte sich erleichtert ob der Tatsache, dass der Grund für den Abschied Fritz Links im 70. Geburtstag des langjährigen Chorsprechers liegt, und nicht im "vierten Advent". Link selbst wollte sich einer "abschließenden Stellungnahme" zu dem Vorfall beim Weihnachtssingen 2001, bei dem die Deckenpfronner Mundartdichterin Gerda Schneider den Gospelchor namentlich angegriffen hatte, nicht enthalten. Zur Eskalation dieser Meinungsverschiedenheit habe die Deckenpfronnerin selbst beigetragen, indem sie mit ihrem Leserbrief ("Ist es ein Verbrechen, Deutscher zu sein?") die Angelegenheit "in eine Ecke gestellt" habe, "die hier gar nicht angeprangert wurde". Zum Thema wurde der Vorfall bei der Versammlung jedoch nicht, die weitere Beteiligung der "Voices" am Weihnachtssingen ist demnach noch offen.
Seit 50 Jahren im "Liederkranz"
Wachwechsel beim "Liederkranz" Herrenberg und seinen beiden Chören, den 115 Mitgliedern bei "Voices ltd." und dem 50 Sänger zählenden Konzertchor. Sie werden künftig von Günther Bsonek geführt. Der 35-jährige Versicherungsfachmann tritt die Nachfolge von Fritz Link. Fritz Link trat dem "Liederkranz" bereits 1951 als 20-Jähriger bei. 1975 kehrte er, nachdem er einige Jahre pausiert hatte, zu den Sängern zurück, ein Jahr später wurde er erstmals in den Vorstand gewählt. Er erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen für sein Engagement als Sänger und Vorstandsmitglied - "Man könnte meinen, ich sein nadelsüchtig", kommentiert er seine Laufbahn, die 1990 durch die Verleihung der Landesverdienstnadel für besondere Verdienste im Ehrenamt und die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des "Liederkranzes" einstweilen gekrönt wurde. Schon fünf Jahre später wurde Link jedoch "reaktiviert" und mit der einstweiligen Fortführung seiner Tätigkeit als Vorstandssprecher betraut. Ende 1998 regte Link die Gründung des Pop- und Gospelchors an, der sich heute "Voices ltd." nennt. Im vergangenen Jahr erhielt er die goldene Ehrennadel für 40 Jahre Sängerengagement, womit das Maß der Ehrungen ausgeschöpft schien. Sein Chor jedoch forschte eifrig nach einer weiteren Auszeichnungsmöglichkeit für seinen langjährigen Sprecher - mit Erfolg: Am 14. April wird Fritz Link in Aidlingen vom Otto-Elben-Gau die goldene Ehrennadel für besondere Verdienste
Die beiden Chöre selbst blicken auf ein bewegtes Jahr zurück, in dem es jedoch von keinem von ihnen, weder von den "Voices ltd." noch vom Konzertchor, ein Jahreskonzert zu hören gab.
Trotz allem erwirtschafteten sie 2001 einen Gewinn von etwas mehr als 1 000 Mark, was eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Dies haben sie, wie Finanzvorstand Norbert Thielsch, der bei der Versammlung in seinem Amt bestätigt wurde, bemerkte, allein einer "äußerst sparsamen Haushaltsführung" zu verdanken, die sie auch im neuen Jahr fortsetzen müssten: "Wir sind noch einmal mit einem blauen Augen davongekommen." Zu den Höhepunkten des vergangenen Jahres gehörten für die Chöre die Mitgestaltung des Konfirmationsgottesdienstes, das gemeinsame Konzert mit dem Chor Tarares, das von 400 Zuhörern besucht wurde und die "Musical-Night" anlässlich der "Sommerfarben".
Ein "Glanzlicht", so Fritz Link, war der Auftritt der "No Voices" mit dem jungen Chor Jettingens, der sich mittlerweile "Blackbirds" benannt hat. Beim Ausflug nach Fidenza "erschlugen" die Herrenberger Sänger die italienischen Gastgeber regelrecht durch ihre Anzahl. 2002 wird es die Jahreskonzerte der beiden Chöre mit Sicherheit geben: Die "Voices" werden das ihre am Samstag, 11., und Sonntag, 12. Mai, der Konzertchor das seine am Samstag, 14. Dezember, halten. Ein weiterer Höhepunkt wird der Besuch des Partnerchors "Inter`val" aus Tarare in Herrenberg sein. "Voices"-Leiterin Astrid Beuth überbrachte die Nachricht, Matthias Beno, Dirigent des Stadtorchesters, habe den Wunsch, 2003 ein größeres Projekt mit den "Voices" und der Musikschule in Angriff zu nehmen, was den Applaus der Sänger hervorrief.
Einvernehmlich erhöhten die Chöre ihre Mitgliedsbeiträge auf Grund ihrer engen Wirtschaftssituation: Statt bislang 50 Mark bezahlen Aktive künftig 40 Euro, Sänger unter 18 Jahren und Fördermitglieder 30 Euro. Zum ersten Mal wurde ein Familienbeitrag von 90 Euro eingeführt.
Insgesamt haben Konzertchor und "Voices" momentan 334 Mitglieder, dies sind neun weniger als 2001, wobei die "Voices" wesentlich besser dastehen, als der Konzertchor. Eine Schelte von ihren Leitern wegen mäßiger Probenbesuche mussten sich allerdings sowohl Konzertchor, als auch "Voices" gefallen lassen.
Zu den vordringlichsten Aufgaben, die sich die Sänger für 2002 gestellt haben, gehört der Aufbau eines Kinderchors, dem zurzeit erst sechs Kinder angehören.