Gäubote, 04.01.2002
Herrenberg - Ob der Chor "Voices ltd." sich weiterhin zur Chorvereinigung Herrenberg zählt, ist noch offen. Chorleiterin Astrid Beuth sprach mit dem "Gäubote" über die Stimmung knapp zwei Wochen nach dem Marktplatz-Singen, über englischsprachiges Liedgut und über die Frage, wie es weitergeht.
Groß war die Aufregung, als sich die Deckenpfronner Mundart-Dichterin Gerda Schneider beim Marktplatz-Singen kritisch mit dem englischsprachigen Liedgut auseinander setzte (der "Gäubote" berichtete). Die Gemüter erregten sich auf beiden Seiten: Die "Voices ltd." fühlten sich angegriffen, zahlreiche Zuhörer schlugen sich auf die Seite der Deckenpfronner Autorin Gerda Schneider und beklagten den Bruch mit der Tradition.
Gäubote: Frau Beuth, wird Ihr Chor "Voices ltd." beim nächsten Weihnachtssingen auf dem Herrenberger Marktplatz dabei sein?
Astrid Beuth: "Das kann ich Ihnen nicht sagen, ich bin nicht der Vorstand, und solche Dinge entscheiden wir auch nicht von oben herab, sondern demokratisch. Bei der ersten Chorprobe am Dienstag werde ich das Thema allerdings nicht zur Abstimmung stellen, weil die Gemüter noch zu erregt sind. Wir stimmen grundsätzlich jedes Jahr darüber ab, ob wir am Weihnachtssingen teilnehmen. Was die Mehrheit entscheidet, das wird dann von allen getragen."
Welche Stimmung herrscht momentan innerhalb des Chores?
"Die Stimmung ist negativ, weil die Diskussion in die falsche Richtung läuft und es so klingt, als ob wir diejenigen wären, die zum Angriff übergegangen sind. Das verärgert viele."
Wie erklären Sie sich die starken Reaktionen seitens des Publikums?
"Ich denke, dass es zahlreiche Zuhörer gibt, die auf unserer Seite stehen, dass das aber eine Klientel ist, die sich nicht unbedingt hinsetzt und einen Leserbrief schreibt. Die Wenigsten, die am Platz waren, werden gewusst haben, dass die "Voices" die Hälfte des gemischten Chores darstellen. Es scheint in keiner Weise klar zu sein, dass wir hier nicht das Brauchtum verleugnet, sondern es gepflegt haben, indem wir acht deutsche Lieder mitgesungen haben und dann erst zwei englische. Ich dachte eigentlich, dass das in jedermanns Sinne ist. Ich verstehe diese Reaktion nicht. Wieso darf Frau Schneider uns namentlich angreifen und sich dann darüber aufregen, dass wir uns darüber aufregen?"
Was halten Sie persönlich für den richtigen Weg, mit dieser Situation umzugehen?
"Wenn es wirklich die Meinung der Mehrheit ist, dass wir das lassen sollen, dann ist meine persönliche Meinung, wir lassen es. Das sagt aber nichts darüber aus, wie der Chor sich entscheiden wird."
Wie stellten sich die "Voices" bislang zum Weihnachtssingen?
"Mindestens drei Viertel waren dafür, dass wir das machen. Und ein guter Teil, der dafür gestimmt hat, hat das getan, weil er das deutsche Liedgut sehr mag und das Weihnachtssingen sehr stimmungsvoll findet. Ich selbst habe die Vorträge von Frau Schneider immer sehr geschätzt. Als sie am Anfang über die vielen Anglizismen hergezogen ist, haben wir alle mit ihr gelacht. Aber als es dann zu dieser namentlichen Nennung und dem Wort Gospel-Geschrei kam, da war der Punkt erreicht, an dem uns das Lachen vergangen ist."
Weshalb singen Sie mit Ihrem Chor vor allem englischsprachige Stücke?
"Was den beiden jüngeren Generationen gefällt, ist in der Regel englischsprachig, und ich singe lieber englisch als eine schlechte deutsche Übersetzung. Ungefähr 50 Prozent unseres Repertoires besteht aus Gospel. Gospel ist einfach englischsprachig, und wenn Sie den mit Herz und Seele singen wollen, klingt er so am besten."