Presseecho
Gäubote 22.12.2003

Getragene Lieder und kein Schneeflöckchen

Alle Jahre wieder versammelt man sich am vierten Advent auf dem Herrenberger Marktplatz um dem Vortrag der Chorgruppe zu lauschen und, ganz zuletzt, gemeinsam "O du fröhliche" anzustimmen. In diesem Jahr zum ersten Mal mit den 50 Kindern, die dem Kinderchor des Herrenberger Liederkranzes und den Schulchören in Kayh und Haslach angehören.

Die kurzfristige Erkrankung der Chorleiterin Astrid Beuth, deren Aufgabe es gewesen wäre, den Kinderchor und den gemischten Chor zu dirigieren, bereitete der Chorgruppe allerdings Schwierigkeiten. Die Dirigentin lag mit einer Grippe darnieder und Fritz Link, Organisator des Weihnachtssingens, setzte Himmel und Erde in Bewegung, um einen Ersatz für sie zu finden nur wenige Stunden vor dem Gesangsereignis. Fündig wurde er in Kayh und Herrenberg: Die Leitung des Kinderchores übernahm Rosemarie Bethke, Lehrerin im Teilort, jene des gemischten Chores Stephanie Wunder, die Schwester von Astrid Beuth. Und so begann das Singen auf dem Herrenberger Marktplatz, der wie stets zur Weihnachtszeit vom Kranz der Lichterketten an den spitzen Giebeln der umliegenden Fachwerkhäuser umrahmt wurde, mit drei Liedern aus vielen Kinderkehlen, begleitet von frohem und rhythmischem Klatschen in die Hände: "Zumba Zumba", "Dicke rote Kerzen" und "Tingeling" eine Eindeutschung des bekannten "Jingle Bells" hießen die Stücke, die die Kinder sangen, bevor der Taktstock an Christoph Henke, den Dirigenten der Chöre in Kayh, Haslach und Deckenpfronn ging, und die Mitglieder der Männerchöre den Ton anstimmten. Sie trugen mit dem gebührenden feierlichen Ernst getragene Weihnachtslieder wie "Es ist ein Ros entsprungen" oder "Zündet die Lichter der Liebe an" vor, um sich sodann mit den Stimmen der Frauen zum großen, gemischten Chor zusammenzuschließen und gemeinsam mit ihnen "Süßer die Glocken nie klingen", "Es lagen im Felde die Hirten" und andere Stücke zu singen.Pünktlich zum Weihnachtssingen hatte sich auf dem Herrenberger Marktplatz ein bitterkalter Wind eingestellt, der stürmisch am lichtergeschmückten Weihnachtsbaum zerrte, der die Szene überragte was dem feierlichen Singen den letzten Schliff gegeben hätte, dicke weiße Schneeflocken nämlich, das stellte sich jedoch nicht ein. Zwar glaubte manch einer der vielen Herrenberger, die den Marktplatz bis in seinen letzten Winkel ausfüllten, von kalten Kristallen angeweht zu werden, aber diese entpuppten sich, genau besehen, als eisiger Nieselregen. Schade, denn so entfiel ein besonderer Teil des Weihnachtssingens: Hätte es geschneit, dann hätten die Kinderchöre "Leise rieselt der Schnee" gesungen. Fritz Link war mit dem 42. Weihnachtssingen der Herrenberger Chorgruppe auf dem Marktplatz dennoch sehr zufrieden: "Es hat alles wunderbar funktioniert", erklärte er.

THOMAS MORAWITZKY

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