Presseecho
Gäubote 27.10.2003

Schmerz und Blues, Kochlöffel und ein Hallelujah

Vom gelegentlichen Pop-Song über mächtige Gospeleinlagen bis zu spritzigen Jazz-Songs und betäubenden Kochlöffelkaskaden reichte das Repertoire, das der Pop- und Gospelchor "Voices ltd." bei seinem vierten Jahreskonzert in der Herrenberger Stadthalle kredenzte.

Ganz selbstverständlich lag der Schwerpunkt beim vierten Konzert des mitgliederstarken Chors auf dem Bereich Gospel und Spiritual. Im gesamten Programm des Hauptchores fanden sich nur drei Stücke, die nicht diesen Gattungen zuzuordnen sind - "Stand by me" als A-cappella-Version, ein "Mr. Sandman", das freundlich-süß aus lang vergangenen Zeiten herüberzwitscherte, und der "St. Louis Blues", zusammen mit "Stand by me" die Erzählung der traurigen Geschichte "einer jungen Frau, die noch an die Liebe glaubte", und der nun, viele Jahre später, nichts bleibt, als der soundsovielte Whisky an der Bar, der "Schmerz und der Blues" - so zumindest erfuhr man es, sehr stimmungsvoll, aus dem Ansagetext der "Voices".

Der Rest des Konzertes der "Voices ltd." widmete sich mit großer Hingabe dem geistlichen Lied amerikanischer Prägung. Das begann mit "Walk in the Light", setzte sich fort in einem triumphalen "O when the Saints" und in Stücken wie "I saw the Light" und "O give Thanks" und endete mit einem Stück, das zwar europäischen Ursprungs ist, aber längst schon Tuchfühlung aufnahm mit der amerikanischen Musikindustrie: Mit dem "Hallelujah" aus Händels Messias, dessen zackigen Preisungen man durchaus die Bearbeitung durch den Herrn mit dem markanten Tanzstil, Michael Jackson, anmerkte. "Order my Steps", das Stück, das zuvor erklang, war der Höhepunkt des "Voices"-Konzertes bei den diesjährigen "Sommerfarben"; die Einlagen der beiden Solistinnen bei diesem Stück gehörten zweifellos zu den Höhepunkten des Auftrittes. Ein Übriges leistete die Begleitband mit Jens Mönig am Bass und Daniel Stollsteiner am Schlagzeug. Vor allem Ruben Maisenbacher, der sich am Piano mit Martin Wilke und Monika Wunder abwechselte, brachte Schwung in den Auftritt. Was den "Voices ltd." der Gospel, das ist den "Ten Voices" der Jazzsong. Das kleinere Gesangsensemble des Chores besteht, wie der Name nahe legt, aus zehn Sängern plus der Chorleiterin Astrid Beuth. Sie sangen mit dem Stück "Bobby Shaftoe" zwar auch traditionelle Folklore; ihre Vorliebe galt jedoch flotten Stücken für einen gemischten Jazzchor, wie "Sh-Boom" oder "Chattanooga choo choo".

Unter dem mirakulösen Namen "No Voices" hält Astrid Beuth alljährlich einen Auftritt ihrer Chormitglieder parat, der von vorneherein unter dem Verdacht des Experiments steht. Eine Mutmaßung, die auch in diesem Jahr wieder ihre Bestätigung fand. Nach dem einleitenden "Scherzo without Instruments", das damit endete, dass einer der Sänger hinter dem Rücken seiner rumpelnden Kollegen den Vorhang teilte und dem "Scherzo" mit einem oralen Plop-Geräusch den Schlusspunkt untersetzte, stürzte sich das Ensemble nämlich in seine "kleine Tischmusik", eine Veranstaltung, zu der eine ganze Reihe von Bierbänken auf die Bühne geschleppt wurde. Die "kleine Tischmusik" bestand aus einer gewissermaßen minimalistischen Geräuschkanonade in mehreren Sätzen, die die "No Voices" zur Aufführung brachten, indem sie wie wild und in meist einmütigem Rhythmus mit jeweils zwei hölzernen Kochlöffeln auf diese Tischplatten trommelten und dazwischen immer mal wieder laut "Mahlzeit!" brüllten. Später wurden zur akustischen Verstärkung des Geschehens noch einige Kochtöpfe auf die Bühne gereicht; zwar schien die Koordination der Tisch- und Kochtopfverteilung nicht immer ganz reibungslos vonstatten zu gehen - in Erinnerung bleiben wird diese Einlage dem Publikum gewiss dennoch.

Die Zugabe am Ende des Konzertes brachte der ganze, rund 120 Sänger starke Chor dar - ein mit Falsettgesang verziertes "Barbara Ann", ein getragenes "O Happy Day" und ein allerletztes "Halleluja". Ganz offenbar verfügen die "Voices ltd." mittlerweile über begeisterte Fans; zumindest in den hinteren Reihen der zu mehr als drei Vierteln gefüllten Stadthalle herrschte während des ganzen Konzertes einmütige Euphorie.

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