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Gäubote

Ein Experiment mit Pop-, Gospel- und Schlagerchören

Überall zwischen Stadthalle und Alter Turnhalle traf man am Sonntag in Herrenberg auf sie: Sänger aus dem ganzen Kreis Böblingen, die beieinander standen, sich auf ihren Auftritt vorbereiteten. Selbst ein Gastchor aus dem ungarischen Györ war zugegen. Zum ersten Mal war Herrenberg Ort des Gauchortages, zum ersten Mal hatten sich die Gesangvereine bei diesem Treffen moderner, größtenteils englischsprachiger Chorliteratur verschrieben.

Zuletzt fand ein solcher Tag vor drei Jahren in Bondorf statt; davor trafen sich die Chöre im Zweijahres-Rhythmus, jedoch nur aus kleineren Teilgebieten. Der Herrenberger Gauchortag war ein Experiment - erstmals fand das Sängertreffen unter dem Vorsatz statt, "junge" Chormusik aufzuführen, den vielen Pop-, Gospel- und Schlagerchören der Region eine Plattform zu bieten. Zugleich war es das erste Mal seit langer Zeit, dass die Teilnahme am Chortag im ganzen Kreis Böblingen ausgeschrieben wurde.

Ein Experiment, das fast ganz auf den Schultern von Fritz Link ruhte, dem früheren Sprecher und jetzigen Ehrenmitglied der Herrenberger Chorvereinigung. Er zog sich mit dieser Arbeit von seiner Vorstandstätigkeit zurück. Anders als bei den bisherigen Gauchortagen lud Link Chöre mit einem "jungen" Repertoire nach Herrenberg ein. "Ich wollte versuchen, einen Weg aufzuzeigen, wie es den Chören gelingen könnte, mehr Interessenten zu gewinnen", sagt er. "Viele Leute", so Links Überzeugung, "wollen singen, aber nicht unbedingt das, was die Chöre an Literatur anbieten." So wurde der Gauchortag zu einem Tag der Pop-, Gospel- und Schlagerlieder, die in der Alten Turnhalle und der Stadthalle von insgesamt 17 Vereinen mit 23 Chören dargeboten wurden. Zufrieden mit dem Ergebnis ist Link nur bedingt: Von den insgesamt 48 Chören des Kreisgebiets kamen viele - aber letztlich nicht mehr als bei vergleichbaren, traditionell ausgerichteten Gauchortagen. Ein wenig mehr Zulauf hatte Link sich da schon versprochen - dennoch: Mit 950 Aktiven der Gesangvereine und Liederkränze und mit knapp 400 zahlenden Besuchern sorgte der Gauchortag am Sonntag für jede Menge sangesfrohen Leben in der Innenstadt.

Den Auftakt bildeten noch vor dem Mittag zwei Kinderchöre, die in der alten Turnhalle eine Matinee gaben und zu den Favoriten des Organisators gehörten: "Sehr erfrischend" fand Fritz Link die Darbietung des Dettenhausener Kinderchors unter Leitung von Rosemarie Hertl, der den Gauchortag auf reizende Weise mit Stücken wie "Buenas Dias" oder "Ich schenk dir einen Regenbogen" einleitete. Es folgte der "Ki-Cho-Bello", der Kinderchor des heimischen Liederkranzes Herrenberg, der die "Geister des Rock`n`Roll" beschwor und den "kleinen Europäer" beschwor. Weiterhin blieb die Alte Turnhalle der Ort, an dem die flotteren deutschen Lieder erklangen, Pop und Gospel wurden in der Stadthalle angestimmt. Zu Ende ging der erste Herrenberger Gauchortag mit einem großen Finale auf dem Marktplatz, dem gemeinsamen Singen von Mitgliedern der verschiedenen Männerchöre, gemischten Chöre und Pop- und Gospelchöre - drei Auftritte mit jeweils 150 bis 160 Stimmen. Etwa 1200 Menschen hatten sich hier versammelt. Dabei mussten die Chöre bei ihren Abschiedsständchen bei ihrem Programm doch Abstriche machen: Der Vorsatz, junge und populäre Chormusik zu singen, konnte bei drei Chören nicht ganz durchgehalten werden - die Männerchöre sangen da doch traditionelle Stücke wie "Was perlet im Glase" oder "Ja lustig bin ich", die gemischten Chöre verabschiedeten sich mit "Schön ist das Leben".

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