Presseecho

Burladingen, 13. Mai 2001

"Stimmen ohne Grenzen"

"Voices Limited" sorgten für ein tolle Kultur(tage)-Erlebnis - Leider war die Fideliskirche alles andere als voll

Burladingen. wieder mal ein Kulturtage-Konzertert von hohem künstlerischen Anspruch, und wieder mal ließ die Publikumsresonanz doch arg zu wünschen übrig. In der St.-Fidelis-Kirche wäre. am Sonntagnachmittag jedenfalls noch Platz für viele Zuhörer gewesen, als der 100-stimmige Chor "Voices Limited." aus Herrenberg dort einen begeisternden Auftritt hatte.

"Voices limited", "begrenzte Stimmen"? Nein, begrenzt war an den Stimmen der über 100 Sängerinnen und Sänger aus Herrrenberg nichts, die an Muttertag in der St.-Fideliskirche zur Freude zwar vieler, aber gemessen an der Qualität des Konzerts doch zu weniger Zuhörer sangen. Burladingen kam. bereits zum zweiten Mal in den Genuss, diesen Chor zu hören. Die exzellente Leitung lag in den Händen von Astrid Beuth, der Schwägerin des Burladinger Stadtmusikdirektors Thomas Wunder.

Beeindruckend war schon der Auftakt: Singend zogen die Chormitglieder in die Kirche ein. Auch fürs Auge war das schön anzusehen - rote, gelbe, grüne, blaue und lila Schals waren die Farbtupfer. "What a wonderful world" bildete den einfühlsamen Auftakt, behutsam begleitet von Meike Schlie am Klavier. "Hallelujah, sing a song" verleitete zum Mitsingen und Mitswingen, Musik und. Gesang gingen ins Blut der Zuhörer über. Astrid Beuth hatte die über 100 Stimmen souverän im Griff, die Choraufmerksamkeit war ausgezeichnet. "Londonderry air" ließ erahnen, wie es dort einst geklungen hat, wo diese Gospels entstanden, ließen die Sehnsucht spüren die die Menschen damals in ihrem Singen ausdrückten.

In ein ganz anderes Genre begaben sich dann, die Sängerinnen und Sänger. Die Geschichte der Comedian Harmonists wurde in kurzen Zügen erzählt, bevor die neue Musikrichtung, die die sechs Sänger 1927 kreierten, mit den Liedern "Wochenend und Sonnenschein", "Mein kleiner grüner Kaktus" und "Ich wollt', ich wär ein Huhn" den Zuhörern nahe gebracht wurde. Bei diesen Liedern trat der Chor als "Deep Voices" (tiefe Stimmen), "Ten Voices" (zehn Stimmen) und noch einmal "Deep Voices" in Erscheinung.

Hauptbestandteil des Repertoirs von "Voices Limitet", so erfuhr man, ist das Spiritual. Das bekannte "Amen" war so recht nach dem Geschmack der Zuhörer. Der ganze Chor schnippte, klatschte, war in Bewegung, ein wunderbarer Klang erfüllte die Fideliskirche. Großartig interpretiert waren "I Stand up on the Mountain" und "Ride the Chariot". Beeindrucken dabei die Intensität, die Sehnsucht, Gott zu sehen, "to see my lord", von Solisten immer wieder nachdrücklich angekündigt.

Im weiteren Verlauf erfuhr das Publikum, dass der Swing im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts salonfähig wurde. Aus dieser Zeit stammen die drei Titel "Chanson d'amour", "Gershwin Medley" und "Walk Right in". Astrid Beuth hatte in diesem Block einen besonderen Solopart übernommen. Vor allem hier wurde deutlich: Die Leiterin des Chores '"lebt" diese Musik. Sie geht darin auf, reißt mit ihrer Begeisterung alle mit.

Zur Erheiterung gab es dann die Vorstellung der Stimmen des Chores als Blasorchester. So fungierte der 2. Bass als Tuba, die Hörner waren der 2. Alt, die Posaunen der 1. Bass, die Flügelhörner der 2. Sopran, die Tenorhörner der Tenor und die Querflöte der 1. Sopran. Alle hatten ihren eigenen Text und ihre eigene Melodie, doch als dann alle "Instrumente" ihren Part gemeinsam sangen, hörte man ein "singendes Blasorchester", das dann den Zuhörern, wie Astrid Beuth schmunzelnd meinte, den Marsch blase. Und das taten die Sänger dann mit dem "Choristen-Marsch".

"Young Voices", die Jugend im Chor, stellte sich vor mit "Lollipop", "Monday, Monday", und "Brazil". Es war eine Freude, mit welcher Frische, mit welcher Begeisterung die jungen Stimmen bei der Sache waren. Meike Schlie am Klavier, Jens Mönig an der Gitarre und Daniel Stollheimer am Schlagzeug begleiteten die Sänger.

Wie bei der Hochzeitzu Kana, als der beste Wein erst am Ende gereicht wurde, obwohl der vorherige beileibe nicht schlecht war, setzten die "Voices Ltd.". noch einen drauf. Auch wenn man "Moon River", "The Lion. Sleeps Tonight", und "Sing, Sing, Sing" schon oft gehört hat, war man hingerissen von der Interpretation. Gerade hier zeigte sich, warum der Herrenberger Chor besser "Voices Unlimited" heißen würde, Stimmen der unbegrenzten Möglichkeiten. Denn was man an diesem Nachmittag in der Fideliskirche zu hören bekam, war einfach unbegrenzt schön. Verdienter Beifall und stehende Ovationen belohnten den Chor und seine Leiterin sowie alle Solisten für ein Konzert der Superlative.

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